Viele Tai Chi-Übende sagen, sie laufen die Yang (Ip)-Form. Dennoch sehen fast alle Formen unterschiedlich aus. Woher kommt das ? ...
weiter lesen... Zur Beantwortung der Frage muss man ein wenig weiter ausholen. Dies wurde aus verschiedenen politischen und monetären sowie aus Gründen der Geheimhaltung und Verschleierung getan und geschah nicht nur im Bereich des Tai Chi Chuan, sondern in allen Kampfstilen. Zum einen war es in der damaligen Zeit in China notwendig, sich selbst verteidigen zu können, denn es herrschte große Willkür und Gewalt - auch von Staatsseite. Wenn man über ein hervorragendes Kampfsystem verfügte, hat man dieses nicht jedem in seiner Gänze zugänglich gemacht. Ganz im Gegenteil: selbst die besten und treuesten Schüler hätten sich mit der Verbreitung eines bestimmten Stils gegen einen wenden können - wenn man dann nicht noch ein letztes As im Ärmel gehabt hätte, dann wäre es um einen geschehen gewesen. So wurden die wirklich wichtigen Techniken und Erklärungen zumeist nur innerhalb einer Familie in der Vater-Sohn (=Disciple) -Linie weitergegeben und die "normalen", aber dennoch durchschlagend guten Techniken, dann an die engsten Schüler und letztlich die noch geringeren Techniken an die weitläufigeren Schüler. Dann kamen wiederum reiche und politisch gewichtige Personen zu den verschiedenen Meistern und boten eine Menge Geld dafür, damit einer ihrer Söhne/Gefolgsleute diesen Stil erlernen möge. Da damit auch immer das Damoklesschwert des "in Ungnadefallens" verbunden war, wurden diese "Bezahlschüler" ebenfalls unterwiesen, aber aus oben bekannten Gründen immer nur mit den äußeren Techniken und einigen angeblich "streng geheimen Geheimnissen", woraus sich bis heute die ab und zu gebräuchliche Pyramidenform diverser Schulen/Linien/Verbände gestaltet hat, in der das Geld immer von unten nach oben fließt, hin zum Meister, der die "letzten Geheimnisse" bewahrt und so weiter Geld scheffelt und seine Schüler größtenteils am langen Arm hält oder ihre Entwicklung künstlich abbremst. All dies hat zu einer Vielzahl an Stilblüten geführt, welche aber nicht unbedingt schlecht sein müssen. Es wurden immer wieder mal öffentlich gelehrte Teile hinzu gefügt, umgruppiert oder gewandelt. Zu jedem Zeitpunkt hat es Lehrer gegeben, die sie weiter gegeben haben, und deren Schüler dann wiederum und so weiter und so weiter. So kommt es, dass es heute eine Vielzahl an Formen auch in der Yang-Familie gibt. Bewertend kann man über diese sagen, dass sie, solange sie sich dicht an die Klassiker halten, alle nützlich sind und der Entwicklung der Übenden dienen. Kritisch wird es erst, wenn die Formen massiv abgewandelt und die Prinzipien außer Acht gelassen werden. Dann kann es zu Energieblockaden, Haltungsproblemen und -schäden, usw. kommen. Eine andere Erscheinung, die bedauerlicherweise zunimmt, ist die esoterische Vermüllung (gerade bei Tai Chi Chuan) als heilige Erleuchtungspraxis, als Seelenheil oder spirituelle Erhebung. Tai Chi Chuan kann einen durch korrektes Üben entspannen und "befrieden", aber man sollte nie seinen wachen und kritischen Verstand am Eingang einer Tai Chi-Schule abgeben und zweifelhaften Gurus oder geistigen Führern folgen.